Symposium IV "Neuroimaging von Psychopharmaka-Effekten"S. Kasper, Wien, H.-P. Volz, Jena Programm
Hintergrund Funktionell bildgebende Verfahren, die es erlauben, Funktionszustände des Gehirns in vivo abzubilden, haben seit der Einführung der Positronen-Emissionstomographie (PET) und der Single Photon Emission Tomography (SPECT) auch in der psychiatrischen Forschung eine ständig zunehmende Bedeutung erhalten, die durch die magnetresonanztomographischen Verfahren wie funktionelle Magnetresonanztomograpie (fMRT) und Magnetresonanzspektroskopie (MRS) wesentlich gesteigert wurde. Mit den genannten Methoden ist es möglich, Aktivitätsmessungen einzelner Gehirngebiete, z. B. über den Glucose- oder Sauerstoffverbrauch, durchzuführen, aber auch die Dichte von Rezeptoren oder die Aktivität bestimmter cerebraler Enzyme zu bestimmen. Bei dem soeben umrissenen Potential dieser Methode ist ihre Anwendung zur Untersuchung zentraler Effekte von Psychopharmaka evident. Das hier vorgestellte Symposium soll hierüber einen Überblick verschaffen. Vorgestellt werden neue MRT-Möglichkeiten zur intrazerebralen pH-Registrierung, die sich gegenwärtig noch im Versuchsstadium befinden (Dr. Auer, München), klassische SPECT- und PET-Methoden (Dr. Meisenzahl, PD Gouzoulis-Meyfrank, PD Schröder) sowie SPECT- und PET-Methoden zur Darstellung von Enzymaktivitäten (Dr. Tauscher, Dr. Gündel). Als Beispiel für den Einsatz bildgebender Verfahren bei der Darstellung von Psychopharmakaeffekten soll auf die Untersuchung von PD Dr. Schröder im folgenden näher eingegangen werden: Tierexperimentelle und pathoanatomische Studien erbrachten Hinweise auf eine Erhöhung der Anzahl und/oder Dichte der D2 Dopaminrezeptoren ("Reteptorhochregulation") in den Basalganglien unter Therapie mit konventionellen Neuroleptika. Dieser Effekt wurde bei 15 Patienten mit schizophrenen Psychosen verifiziert und im Hinblick auf Therapieerfolg, mögliche Nebenwirkungen sowie neurologische soft signs (NSS) untersucht. Alle Patienten waren "drug-naive" und wurden erstmals im Rahmen der Studie neuroleptisch behandelt. Mit der single photon emission computed tomography (SPECT) und IBZM als Tracer wurde das D2 Dopaminrezeptorsystem zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme, d.h. im "drug-naiven" Zustand, und nach standardisierter Therapie mit Benperidol (12-16mg/d über 25 d) untersucht. Die psychopathologische Symptomatik wurde auf der brief psychiatric rating scale (BPRS); mögliche extrapyramidale Nebenwirkungen und NSS auf der rating scale for extrapyramidal side-effects (RSESE) bzw. der Heidelberger NSS-Skala protokolliert. Die SPECT wurden 2h nach intravenöser Gabe von 185MBq 123I-IBZM aufgenommen. Zur Datenauswertung wurden die in den Basalganglien und dem frontalen Kortex gemessenen Aktivitätswerte dividiert (BG/FC-Quotienten) und die Untersuchungsgruppe in Patienten mit einem günstigen bzw. einem unbefriedigenden Therapieerfolg dichotomisiert. Unter neuroleptischer Therapie zeigten Patienten mit einem unbefriedigenden Ansprechen auf die Medikation einen Anstieg der BG/FC-Quotienten gegenüber einem Abfall bei den Patienten mit einem günstigen Therapieerfolg (df=1, F=4.1, p=0.06). Die Veränderung der BG/FC Quotienten korrelierte signifikant mit der Ausprägung extrapyramidaler Nebenwirkungen nicht jedoch der NSS. Nach diesen Ergebnissen ist eine "Hochregulation" der D2 Dopaminrezeptoren auch klinisch nachweisbar und mit einem unbefriedigenden Ansprechen auf konventionelle Neuroleptika sowie einer stärkeren Ausprägung extrapyramidaler Nebenwirkungen assoziiert.
Fazit Wir hoffen, den Zuhörern eine aktuellen Querschnitt der Methoden und Versuchsdesigns geben zu können, bei der auch die Diskussion einen breiten Raum einnehmen soll.
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