AGNP-Preis für Forschung in der Psychopharmakologie
gespendet von

Preisträger 2011 des AGNP-Forschungspreises für Forschung in der
Psychopharmakologie,
gestiftet von der Lilly Deutschland GmbH
Prof. Dr. Rainer Spanagel, Zentralinstitut für Seelische
Gesundheit Mannheim für die Arbeit "Acamprosate produces its anti-relapse
effects via calcium"

Prof. Dr. Rainer Spanagel
Medikamentöse Behandlung der Alkoholabhängigkeit: Die Anti-Rückfallwirkung von Acamprosat (Campral®) beruht auf Calciumionen
Mehr als 2 Milliarden Menschen konsumieren Alkohol. Der Gebrauch und Missbrauch von Alkohol betrifft alle sozialen Gruppen. Man schätzt, dass von allen Faktoren, die zur globalen Krankheitslast beitragen, Alkohol weltweit für 3,2% aller Todesfälle verantwortlich ist. In den letzten Jahren hat die Alkoholforschung enorme Fortschritte verzeichnet und so werden heute die durch Alkohol hervorgerufene Organschädigungen und Alkoholsucht besser verstanden. Insbesondere wurden in den letzten Jahren neue Medikamente sog. Rückfallprophylaxen entwickelt und in den meisten Ländern zugelassen. Hierzu gehört auch Acamprosat (Campral®). Acamprosat wurde in den frühen 80er Jahren von den Meram Laboratorien in Paris synthetisiert und ist das Calciumsalz von Acetylhomotaurinat. Im Dezember 1995 erfolgte die Zulassung von Campral in Deutschland, 2004 wurde das Medikament in den USA zur Aufrechterhaltung der Alkoholabstinenz bei alkoholabhängigen Patienten zugelassen. Metaanalysen belegen die Wirksamkeit von Acamprosat und zeigen ein sehr geringes Nebenwirkungprofil auf. Vor einigen Jahren konnten wir mit Hilfe einer Mausmutante nachweisen, dass Acamprosat auf eine hyper-glutamaterges Systen wirkt: Mausmutanten, die ein defektes Gen der inneren Uhr tragen, zeigen stark erhöhte Glutamatspiegel im Gehirn und erhöhte Alkoholaufnahme. Erhöhte Glutamatspiegel führen zu einer erhöhten Erregbarkeit und als Konsequenz trinken die Tiere deutlich mehr Alkohol. Ferner konnten wir zeigen, dass sowohl erhöhte Glutamatspiegel als auch vermehrter Alkoholkonsum durch Acamprosat normalisiert werden. Diese Ergebnisse konnten wir in der Zwischenzeit mit Hilfe von Glutamatspektroskopie am Patienten bestätigen. Trotzdem bleibt der molekulare Wirkmechanismus von Acamprosat ungeklärt. In einer Reihe von weiteren Tier- und Humanexperimenten konnten wir nun überraschenderweise zeigen, dass das eigentliche Wirkmolekül Acetylhomotaurinat wirkungslos ist. Stattdessen sind für die Antirückfallwirkung ausschließlich Calciumionen verantwortlich! In weiteren Untersuchungen wollen wir nun klären inwieweit ein peripherer Calciumbolus verhaltensaktiv ist und pathophysiologische Mechanismen beeinflusst.
Ausschreibung 2011
Wohl kaum eine andere Arzneimittelgruppe hat durch ihre Einführung so immense therapeutische Möglichkeiten eröffnet wie die Psychopharmaka. In den über 50 Jahren seit ihrer Entdeckung haben sie vielen psychisch Kranken entscheidend geholfen und dafür gesorgt, dass seelische Krankheiten auch durch Nicht-Nervenärzte (Allgemeinärzte) behandelt werden können. Heute sind die Psychopharmaka aus der Therapie psychischer Erkrankungen nicht mehr wegzudenken.
Die Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP) schreibt einen
"AGNP-Preis für Forschung in der Psychopharmakologie"
in Höhe von 10.000,- EUR aus.
Dieser Preis wird von der Lilly Deutschland GmbH, einem Tochterunternehmen des führenden forschenden pharmazeutischen Unternehmens Eli Lilly & Co., Indianapolis, gestiftet. Lilly Deutschland möchte Forschungsbemühungen zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten seelischer Krankheiten, die seit der Entwicklung psychotroper Substanzen entscheidend erweitert wurden, wissenschaftlich mitbegleiten.
Der seit 1991 etablierte und 2011 zum elften Mal ausgeschriebene Preis, wird alle zwei Jahre an einen Wissenschaftler oder ein Team von einem Expertengremium auf dem AGNP-Symposium verliehen.
Der Preis soll herausragende Forschungsarbeiten auf allen Gebieten (Grundlagenforschung, tierexperimentelle Studien, klinische Forschung, etc.) anerkennen und die weitere wissenschaftliche Arbeit des(r) Preisträger(s) in seinem (ihrem) Institut oder auch alle Arbeiten in einem anderen Institut im In- und Ausland durch finanzielle Unterstützung ermöglichen.
Die Forschungsarbeiten sollten eine Antwort auf eine neue wichtige Fragestellung zum Verständnis oder zur Behandlung psychischer Krankheiten des Menschen liefern.
Es ist nicht notwendig, dass die wissenschaftliche Arbeit zum Zeitpunkt des Einreichens vollständig abgeschlossen ist. Es muss jedoch ein Ergebnis vorgelegt werden, welches erkennen lässt, dass auf diesem Gebiet weiter geforscht wird und eine Skizzierung der nächsten Forschungsschritte beinhalten.
Zum Zeitpunkt des Einreichens dürfen die Arbeitsergebnisse noch nicht publiziert sein, können aber parallel dazu bereits bei einem Verlag eingereicht werden.
I. AUSSCHREIBUNGSBEDINGUNGEN
Artikel 1: ART UND ZIEL DES PREISES
Der "AGNP-Preis für Forschung in der Psychopharmakologie" wird alle zwei Jahre für eine herausragende neue Arbeit auf dem Gebiet der Behandlung seelischer Krankheiten an einen Wissenschaftler oder ein Team verliehen. Ziel des AGNP-Preises ist es, die wissenschaftliche Arbeit des(r) Preisträger(s) weiterhin im In- und Ausland zu unterstützen. Der oder die Preisträger kann (können) seine (ihre) Arbeiten mit Hilfe eines anerkannten Forschungsinstitutes seiner (ihrer) Wahl des In- oder Auslandes vorantreiben. Der Preis ist jedoch nur im Rahmen des Forschungsvorhabens zu verwenden. Hierfür muss der Nachweis erbracht werden.
Artikel 2: BEWERBUNGSVERFAHREN
Die Ausschreibung des AGNP-Preises wird in der "Pharmacopsychiatry" des Thieme Verlages veröffentlicht.
Prämiert werden eine oder mehrere wissenschaftliche Originalarbeiten, die noch unveröffentlicht sind oder parallel zur Bewerbung bei einem Verlag eingereicht wurde(n). Tierexperimentelle Arbeiten können ebenfalls berücksichtigt werden, sofern sie zur Klärung relevanter Fragestellungen im Rahmen seelischer Krankheiten dienen.
Der Bewerber muss ausführliche Angaben über das Ziel, die Untersuchungsmethoden (auch Vorarbeiten), die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen aus den eingereichten Forschungsarbeiten machen.
Des Weiteren sind eine Skizzierung der Fortsetzung des Forschungsvorhabens mit Spezifizierung des Themas, des gegenwärtigen Erkenntnisstandes und eigener Vorarbeiten auf dem beabsichtigten Forschungsgebiet sowie Aufgabenstellung, Ziel, Arbeitsprogramm und Untersuchungsmethoden aufzuzeigen und gegebenenfalls Angaben vorzulegen, welche Zuwendungen von anderer Seite zur Verfügung stehen.
Artikel 3: VERGABE DES PREISES
Über die Vergabe des Preises entscheidet das Preiskuratorium der Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP).
Für Entscheidungen des Preiskomitees ist der Rechtsweg ausgeschlossen.
Sollte das Forschungsvorhaben noch nicht beendet sein, verpflichtet die Annahme des Preises den/die Gewinner, seine (ihre) ganze wissenschaftliche Arbeitskraft der Beendigung des Forschungsvorhabens zu widmen und dem zuständigen Preiskomitee über den Abschluss der Arbeiten zu berichten.
Nach Abschluss der Forschungsarbeit berichtet(n) der (die) mit dem von Lilly Deutschland gestifteten Preis Ausgezeichnete(n) in einer Vortragsveranstaltung im Rahmen der alle zwei Jahre stattfindenden Tagung der AGNP über seine (ihre) Forschungsergebnisse.
Bei Publikationen muss vermerkt werden, dass die erarbeiteten Ergebnisse durch den "AGNP-Preis für Forschung in der Psychopharmakologie, gestiftet von Lilly Deutschland", unterstützt wurden.
Über die Preisvergabe und die zugrunde liegenden Forschungsarbeiten und Forschungsvorhaben wird jeweils anlässlich der alle zwei Jahre stattfindenden Tagung der AGNP berichtet.
II. RICHTLINIEN ÜBER DIE BEWERBUNG
1. Der Bewerber soll hinreichende Erfahrung auf dem Gebiet der Pathogenese, Diagnostik und Therapie seelischer Erkrankungen haben und somit die Gewähr bieten, ein Forschungsvorhaben durchführen zu können.
2. Bewerbungen um den AGNP-Preis sollten folgende Angaben enthalten:
- Lebenslauf
- Schriftenverzeichnis
- Preisarbeit (einschl. tierexperimentelle Untersuchungen)
- Angaben über Fortsetzung des Forschungsvorhabens mit Spezifizierung des Themas, des gegenwärtigen Erkenntnisstandes sowie Aufgabenstellung, Ziel, Arbeitsprogramm und Untersuchungsmethoden.
Die Bewerbungen müssen in siebenfacher Ausfertigung bis zum 15. Juli des Jahres, in dem ein AGNP-Symposium stattfindet, beim Geschäftsführer der AGNP eingegangen sein.
3. Die Auszahlung des Preises wird durch das Preissekretariat bei der Firma Lilly Deutschland in Bad Homburg betreut.
III. PREISRICHTERGREMIUM
Das Expertengremium, das über die Vergabe des "AGNP-Preises für Forschung in der Psychopharmakologie" anhand der eingegangenen Bewerbungen entscheidet, setzt sich zusammen aus:
- dem amtierenden Vorsitzenden der AGNP
- den jeweils letzten zwei 1. Vorsitzenden der AGNP
- zwei stimmberechtigten Mitglieder der AGNP
- einem nicht-stimmberechtigten Mitglied der Firma Lilly Deutschland GmbH.
Bewerbungen werden an den Geschäftsführer der AGNP bis zum 15. Juli 2011 erbeten:
Prof. Dr. Axel Steiger
Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstr. 2-10
80804 München
Tel.: 089 / 306 22 236, Fax: 089 / 306 22 548
E-mail: steiger@mpipsykl.mpg.de
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Posterpreise
Die AGNP schreibt wieder Preise für drei besonders herausragende Poster aus. Der 1. Preis beträgt 500 €, der 2. Preis 300 € und der 3. Preis 200 €.
Das Programmkomitee hat im Vorfeld des Symposiums 10 Posterbeiträge
ausgewählt, die von den Autoren im Rahmen der "Datablitz"-Sitzung am
7.10.2011, 17:45 als Kurzvorträge (4 min plus 2 min Fragen/Diskussion)
präsentiert werden. Für die Preisverleihung werden ausschließlich diese 10
Beiträge in Betracht gezogen. Während der Vorträge entscheidet das Publikum
mit Hilfe von Stimmzetteln über die Preisvergabe. Die Preisverleihung
findet dann unmittelbar im Anschluss statt.Stimmzettel erhalten alle
registrierten Teilnehmer mit Tagungsunterlagen vom Tagungsbüro. Jeder
Teilnehmer hat zwei Stimmen. Die Preisverleihung findet gleich gegen Ende
der Datablitzsitzung statt.
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