Was ist die Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP)?


Die AGNP ist die einzige deutschsprachige Fachgesellschaft für neuropsychopharmakologische Forschung und ihre Anwendung in der Therapie. Der AGNP fühlen sich seit jeher Forscher aus den deutschsprachigen Ländern, also aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, verbunden. Der AGNP entsprechen auf europäischer Ebene das European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) und auf weltweiter Ebene das Collegium Internationale Neuropsychopharmacologicum (CINP). Unter dem Dach dieser Gesellschaften diskutieren Forscher aus psychiatrischen, kinder- und jugendpsychiatrischen und neurologischen Kliniken, aus psychologischen, pharmakologischen, neurobiochemischen, und molekulargenetischen Instituten, aus der pharmazeutischen Industrie und aus anderen neurowissenschaftlichen Instituten ihre Forschungsergebnisse. Auf der Basis dieser Forschungsergebnisse werden Leitlinien für Forschung und Therapie entwickelt. Neben regelmäßigen Kongressen veranstalten die Gesellschaften Weiterbildungsseminare.

Die AGNP wurde 1963 gegründet. Zu dieser Zeit erlebte die Psychopharmakologie allgemein und speziell die Psychopharmakotherapie einen beachtlichen Aufschwung, von dem noch heute die Forschung und die Kranken profitieren. Dieser Aufschwung war einer Reihe mehr oder weniger zufälliger Entdeckungen zu verdanken, nämlich der Entdeckung des Chlorpromazins (1951) als erstem spezifisch gegen schizophrene Psychosen wirksamen Neuroleptikum, des Imipramins (1957) und des Iproniazids (1957) als ersten Antidepressiva, des Chlordiazepoxids (1958) als erstem spezifischen Anxiolytikum (Tranquillizer). Ziel der Gründung der AGNP war, diesen Aufschwung methodologisch zu begleiten. Neuropsychopharmaka nehmen heute den dritten Rang unter den am häufigsten verordneten Medikamenten ein.

Die AGNP hat derzeit ungefähr 380 Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) und aus aller Welt. Angesichts der großen Bedeutung der Neurowissenschaften verwundert es nicht, daß die Zahl der Mitglieder gerade in den letzten Jahren stetig wächst. Neben den persönlichen Mitgliedern hat die AGNP fördernde korporative Mitglieder, nämlich 14 neuro- und psychopharmakologisch forschende pharmazeutische Unternehmen. Mitteilungsblätter der AGNP sind die Fachzeitschriften Pharmacopsychiatry (englischsprachig) und seit 2009 Der Neurologe & Psychiater (DNP).

Die AGNP veranstaltet alle zwei Jahre einen wissenschaftlichen Kongreß, der bis 2001 überwiegend in Nürnberg stattfand, wo die Gesellschaft auch gegründet wurde. Das 23. AGNP-Symposium fand im Oktober 2003 erstmals in München statt, dem seither weitere Kongresse in der bayerischen Landeshauptstadt folgten. Mit bis zu über 400 Teilnehmern und jeweils mehr als 350 Beiträgen zum Stand der neuropsychopharmakologischen Forschung wurden diese Tagungen zu einem großen Erfolg. Die große Zahl von Vorträgen und Postern zeigt, wie wichtig neuropsychopharmakologische Forschung ist und welch beachtliche Forschungsaktivitäten auch im deutschsprachigen Raum entwickelt werden. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Forschungsaktivitäten dem Bedarf im Interesse der Therapie nicht gerecht werden. Der Beitrag Deutschlands zur neuropsychopharmakologischen Forschung entspricht nicht seinen Ressourcen. Seit Jahren ist kein neues Neuropsychopharmakon aus deutschen Labors bis zur Marktreife entwickelt worden. Auch diesem Problem fühlt sich die AGNP verpflichtet.

Seit dem Jahr 2000 veranstaltet die AGNP auch Regionaltreffen, die bisher in Potsdam, Dresden, Sölden, Wroclaw/Polen, Marburg und Wil/Schweiz stattfanden.